Unterschiedliche Bahnstromnetze

Ein Blick auf die Geschichte der elektrischen Bahnen zeigt, dass es technische Gründen waren, die dazu führten, dass sich das öffentliche Netz und das Bahnstromnetz getrennt entwickelten: Das öffentliche Drehstromnetz mit 50-Hertz-Frequenz eignete sich zu Beginn der Elektrifizierung der Bahnen nicht für die Speisung von Lokomotiven, denn die damaligen Steuerungen der Motoren vertrugen die vergleichsweise hohe Frequenz nicht. Man wich deshalb auf die dreimal tiefere Frequenz von 16,7 Hertz aus.

Die Karte des Schaubilds zeigt beispielhaft vier Bahnstromnetze: dasjenige der SBB (15 Kilovolt Wechselstrom mit 16,7 Hertz), der Montreux-Oberland-Bahn (860 Volt Gleichstrom), der Rhätischen Bahn (11 Kilovolt Wechselstrom mit 16,7 Hertz) und der Gornergratbahn (750 Volt Drehstrom mit 50 Hertz, das heisst mit zwei Fahrdrähten und zwei parallelen Stromabnehmern).

Das Ausland verfügt teilweise über andere Bahnstromsysteme:
•    Bahnstrom Frankreich: 25 kV/50 Hz und 1,5 kV Gleichstrom (neben anderen)
•    Bahnstrom Deutschland: 15 kV/16,7 Hz
•    Bahnstrom Österreich: 15 kV/16,7 Hz
•    Bahnstrom Italien: 3 kV Gleichstrom (neben anderen)

Bahnstromkraftwerke
Zur Erzeugung von Bahnstrom existieren in der Schweiz etliche Kraftwerke. Die grössten sind:
•    Etzelwerk (Sihlsee)
•    Amsteg
•    Göschenen
•    Vernayaz
Im Bau befindet sich das Pumpspeicherwerk Nant de Drance, an dem die Schweizerischen Bundesbahnen SBB zu 36 Prozent beteiligt sind.

Unterschiedlicher Strommix
Der Strommix im schweizerischen Durchschnitt und der Strommix der SBB unterscheiden sich stark: Die SBB fahren zu 75 Prozent mit Wasserkraft, während der Wasserkraftanteil im allgemeinen Strommix knapp 60 Prozent beträgt.

Viel Leistung mit wenig Energie
Die Bahnen erbringen schweizweit 17 Prozent der Verkehrsleistung im Personenverkehr und 43 Prozent im Güterverkehr, beanspruchen aber bloss 4 Prozent der Energie, die der Verkehr insgesamt benötigt. Gründe für diese Genügsamkeit sind der geringe Rollwiderstand der Stahlräder auf den Schienen, die Reduktion des Luftwiderstands im Zugverband, der hohe Wirkungsgrad von Elektroloks sowie die Rückspeisung von Bremsenergie.